Bio- Enten und Gänse und ihre traurigen Kollegen aus Ungarn

Gänse- oder Entenbraten bedeuten etwas Besonderes und kommen meist zur Weihnachtszeit auf den Tisch. Um die enorme Nachfrage zu decken, bedienen wir uns in den Nachbarländern. Rund 80 Prozent der Tiere kommen aus Polen und Ungarn und haben dort ein kurzes und brutales Leben hinter sich. Viele wissen nicht, dass bei uns auch das Endprodukt der Stopfleber- Industrie angeboten wird.

Geflügel aus Ungarn und Polen

Die Deutschen essen gerne den traditionellen St. Martins Gänsebraten und auch zur Weihnachtszeit darf diese Delikatesse nicht fehlen. Rund 13 Prozent der Tiere wachsen in Deutschland auf und geniessen dort meist die Freilandhaltung. Die übrigen Tiere werden aus Ungarn und Polen importiert und stammen aus großen Mastanlagen. Die Haltung dort ist schlichtweg katastrophal. Die Tiere vegetieren in viel zu kleinen Käfigen, können selten aufrecht stehen. Artgerechte Tierhaltung sieht anders aus. Der deutsche Tierschutzbund warnt die deutschen Verbraucher vor dem Kauf der polnischen und ungarischen Vögel.

Etiketten- Schwindel und ein neuer Lebensmittelskandal

RTL- Reporter Alexander Römer deckte vor kurzem einen erneuten Lebensmittelskandal auf. Schlechtes, verfettetes Fleisch aus den Resten einer Mastproduktion wird in deutschen Supermärkten als polnische Hafermastgans verkauft. Vermeintliches hochwertiges Gänsefleisch stammt eigentlich aus einer qualvollen ungarischen Stopfleber- Produktion. Die Tierschutzorganisation ´Vier Pfoten´entdeckte diesen Betrug gemeinsam mit dem RTL- Mitarbeiter. Schon vor einigen Jahren ging der Verein damit an die Öffentlichkeit. Gänse und Enten werden machinell mehrmals am Tag zwangsernährt. Ihnen wird unter Druck ein Brei aus Hafer in den Magen gepumpft. Diese Prozedur ist äusserst schmerzvoll und unnatürlich. Während der Stopfzeit nehmen die Tiere rund 15- 20 Kilogramm Maisfutter auf, dieses kann der Körper nicht verarbeiten und die Leber verändert sich krankhaft. Das Organ schwillt auf das zehnfache seiner Normalgröße an, verfettet und kann seine lebensnotwendige Funktion nicht mehr erfüllen.

Die Stopfleber- Produktion ist aus Tierschutzsicht bei uns in Deutschland verboten. Allerdings ist der Verkauf und die Einfuhr der vermeintlichen Delikatesse auch bei uns erlaubt. Frei nach dem Motto ´sollen sich doch die anderen die Hände schmutzig machen.´In Frankreich verstößt die Stopfleber- Produktion ebenfalls gegen die eigenen Tierschutzgesetze. Trotzdem leiden jährlich 30 Millionen Vögel in den Mastbetrieben. Kann der Genuss, der beim Essen einer Stopfleber empfunden wird, ein derart miserables Leben eines Lebewesens rechtfertigen? Darf ein so überflüssiges Produkt Genuss darstellen, wenn Tiere dafür unglaubliches Leid erfahren müssen? Das fragen sich viele und nicht nur Tierschützer. Es gibt unzählige Kampagnen die die Stopfleber- Produktion abschaffen wollen. Doch auch hier gilt: Angebot und Nachfrage. Solange es noch Verbraucher gibt, die dieses Produkt als Delikatesse sehen, wird es lange dauern.

Lukratives Geschäft

Das Geschäft um die Gans und  Ente ist lukrativ. Zunächst wird sie für die Stopfleber- Produktion etwa zwei bis drei Wochen gestopft und das Endprodukt als Delikatesse verkauft. Die Vögel selbst werden nach der Tötung als ´Hafermastgänse oder Enten´ebenfalls angeboten. Das Fleisch dieser Tiere ist jedoch völlig verfettet und qualitativ schlecht. Deutsche Supermärkte sind die Abnehmer dieser Fleischabfälle. Ein gewinnbringendes und grausames Geschäft.

Verbraucher können den Markt mitbestimmen:

-kaufen sie keine Produkte die Stopfleber enthalten

-achten sie beim Kauf auf die Kennzeichnung ´Freilandhaltung/ Bäuerliche Freilandhaltung/ Bio

- fragen sie in ihrem Restaurant nach der Herkunft des Fleisches

Bio- Gänse und Enten von Bioland

Gequälte Tiere aus ungarischen oder polnischen Mastbetrieben passen nicht recht zu einem traditionellem Festmahl. Verbraucher haben daher die Möglichkeit bei deutschen Bio- Betrieben Tiere aus artgerechter Haltung und somit auch mit hochwertiger Fleisch- Qualität zu erhalten. Bioland- Tiere leben im Schnitt mehr als doppelt so lang wie ihre Kollegen aus der Mast. Ihnen wird ordentlich Zeit zum Baden und Gründeln gegeben, denn das schnelle Erreichen des Schlachtgewichts ist beim Bio- Bauern nicht oberstes Ziel. Es gibt unzählige, gravierende Unterschiede in beiden Haltungsformen. Die konventionelle ist schlichtweg nicht tragbar.

 

Die polnischen Behörden haben bereits Ermittlungen aufgenommen. Die deutschen Supermärkte haben ebenfalls regiert. Leider gibt es die polnische Hafermast- Gans trotzallem noch vereinzelt zu kaufen. Helfen sie mit und sprechen sie die Supermarkt- Mitarbeiter an. Die Labor- ergebnisse waren eindeutig: es handelt sich nicht um eine Panik- Mache

 

 

bild: happy Sun/ shutterstock

 



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